Riester Walter XVI.

Thema: // Author: Arne Lotze

Sonnenkönig Riester

Wenn ich lese, was der Riester Walter, frühere Bundesminister, auf einer Messe der Fonds Finanz Maklerservice GmbH – ich mutmaße thronend auf einer Bühne inmitten herrlichen Scheinwerferlichts – zu erzählen hatte:

Versicherungsjournal: Riester beklagt Falschinformationen

muss ich an Mathias Richling als Alice Schwarzer denken. „Ekelhaft, einfach widerlich.“

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Youtube: Richling als Alice Schwarzer

Abstoßend ist nämlich, wie dieser Mensch vor lauter Selbstherrlichkeit kein Halten kennt und wahrscheinlich vor lauter Honorareinkünften den Hals nicht voll bekommt. Sonnenkönig Riester.

Welt: Riester verdient mit Riester Rente

Das Gegenteil von gut gemeint

Ich glaube sofort, dass er es gut gemeint hat, als die Riester Rente eingeführt wurde. Leider ist das Ergebnis nicht gut. Im Sinne von schlecht. Ich möchte das gerne nochmal betonen, da ich weiß, dass das Gehirn dazu neigt, „nicht“ nicht zu verarbeiten.

Genährt wird diese Furcht durch den Sonnenkönig selbst, der nicht nur „nicht“ nicht zu verarbeiten scheint, sondern auch Unmengen an Kritik an Riesterprodukten. Dass er die auf finanzdiskurs noch nicht nachweislich zur Kenntnis genommen hat, ist freilich ein Skandalon für sich.

Hinein in den Wahnwitz der königlichen Ausführungen.

Wtf

„Wir haben das Sparen mit der höchsten Sicherheit und der höchsten Rendite für den Sparer.“

Richtig, das ist ein Satz der deutschen Sprache. Das ist dann leider schon der einzige Punkt, den ich für korrekt erachte.

Inwiefern nämlich ist ein Produkt sicher, dass nicht 100%-igen Schutz gegen die Insolvenz des jeweiligen Versicherers bietet? Und viel wichtiger: Inwiefern kann von Sicherheit die Rede sein, wenn noch nicht einmal der Inflationsausgleich sichergestellt ist, sondern vielmehr häufig „Kosten die Zulagen auffressen“?

Handelsblatt: Riester-Kosten fressen Zulagen

Der absolute Kracher ist aber nach wie vor der Hinweis auf die tolle Rendite. Ich habe das nochmal nachgeschlagen. Es besteht völlige Einigkeit darüber, dass „Rendite“ ein Verhältnis zwischen dem was aufgewendet wird und dem, was dabei rauskommt bezeichnet.

Unser Sonnenkönig argumentiert sich den Mund fusselig damit, dass ach so viele Zulagen reingehen.

Und was genau hat der Sparer davon?

Den interessiert doch bei einer Altersvorsorge in erster Linie, was er am Ende an Rente bekommt. Und das ist wenig. Weil viele Verträge zu teuer sind, weil das Geld der Versicherten häufig schlecht investiert wird und vor allem: weil die Versicherten nicht an ihr eigenes Geld kommen, sondern 15 bis 20 Rentenjahre warten müssen, bis sie die eingezahlten Beiträge überhaupt mal wieder haben.

siehe Riester und Äpfel

Es gewinnen Walter Riester und die Versicherer

Wer früher verstirbt, sorgt oftmals für einen Gewinn für den Versicherer – der, wenn man so möchte, auch dank der staatlichen Zulagen zustande kommt.
Bei Licht betrachtet, gewinnen also durch Riesterprodukte in der Masse: Walter Riester, der von Versicherungsunternehmen und Banken für Vorträge bezahlt wird und Versicherungsunternehmen und Banken, die von Zulagen profitieren, die Walter Riester mit der gleichnamigen Rente eingeführt hat.

Wenn Herr Riester, der es „heute exakt wieder so machen würde“ und der mit Vorliebe mit Geringverdienerszenarien innerhalb der „Generation Grundsicherungs-Empfänger“ hantiert, die Zulagen sinnvoller gestalten wollte, würde ich vorschlagen, Lebensmittelmarken auszugeben, die erst im Rentenalter eingelöst werden können.

Das liest sich ähnlich makaber wie „Generation Grundsicherungs-Empfänger“ großkotzig – wäre aber im Sinne einer Rendite besser zu vertreten als Zulagen, die der Sparer vielleicht erlebt, vielleicht aber auch nicht.

Oder stellt sich Herr Riester vor, dass ein Bäcker einem Rentner Brot über die Theke schiebt, weil Zulagen in dessen Riestervertrag liegen? „Guten Tag Herr Bäcker, ich bekommen so wenig Rente, dass ich Grundsicherung beziehe und musste feststellen, dass meine Riester Rente nicht zusätzlich ausgezahlt wird, sondern angerechnet wird. Daher habe ich leider kein Geld, um mein Brot zu bezahlen. Sie wird aber sicher überzeugen, dass ich während der Einzahlphase ganz viel Zulagen bekommen habe. Wirklich, das war eine wahnsinnstolle Förderquote!“

Volker Pispers hat dazu sehr deutliche Worte gefunden.

Bei allem Sonnenkönig hat Walter Riester für mich übrigens ganz zufällig Ähnlichkeit mit einer anderen illustren Figur:

Imperator Riester

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