Riester, Äpfel und Pflaumen

Thema: // Author: Arne Lotze

Dass die Anzahl der Riesterverträge rückläufig ist, ist gut. Besser wäre: noch rückläufiger; ja geradezu rückrennend. Das liegt daran, dass die meisten Sparer steinalt werden müssten, um qua Rente überhaupt auch nur die eingezahlten Beiträge ausgezahlt zu bekommen. Riester war also durchaus gut gemeint, wird aber schlecht umgesetzt und als Geldanlage taugt ein Riester überwiegend überschaubar gut. Das zu sehen hier mit den Äpfeln der Erkenntnis.

Und wer Freude an Früchten und Riester gewonnen hat, sollte sich die Riesterpflaume nochmal anschauen:

– oder wer schützt vor dem Verbraucherschutz?

„Wer nicht fragt, bleibt dumm“, so lehrt uns das Kinderfernsehprogramm. Dass das Fragen nur einen ersten Schritt in eine gute Richtung darstellt, lehrt uns die Verbraucherzentrale Hamburg.

Das ist besonders traurig, da man auf Antworten einer Verbraucherzentrale als Verbraucher wahrscheinlich recht viel geben wird. Ich hatte bislang zwei Mal Kontakt mit der Verbraucherzentrale  und beide Male machte er mich nach einer „Schutz vor dem Verbraucherschutz“-Zentrale schreien. Frei nach dem Motto, „Der Verbraucherschutz ist tot, lang lebe der Verbraucherschutz!“ Aber dafür ist finanzdiskurs ja da.

Warum geschützt werden muss? Ich zitiere: „Keiner muss, aber (fast) jeder sollte riestern, denn die Riester-Rente lohnt sich.“ (Doris Kappes, Altersvorsorgeexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg in der MoPo am 05.03.2012)

Nun findet sich zu Riester bei finanzdiskurs.de schon eine Menge und ich will niemanden durch Wiederholung langweilen. Vielleicht war all das aber noch zu kompliziert. Ich vereinfache:

Wer Riester toll findet, lässt sich faule Pflaumen schenken und wird zum Pflaumenkuchenfest Kuchen haben, den kein Mensch essen will.

Riester, Pflaumenkuchen und die Königin

Wir stellen uns vor: ein Dorf mit großer Pflaumenkuchentradition. Jeden Herbst kommen die Einwohner zu einem großen Fest zusammen und backen und essen ganz viel Pflaumenkuchen. Bruno und Gustav sind auch mit von der Partie. Beide wollen einen richtig großen Kuchen backen, um die Chance zu haben, von der Pflaumenkuchenkönigin geehrt zu werden. – Und die Pflaumenkuchenkönigin ist ein richtiges schmuckes Mädel.

Pflaumenkönigin

Gustav fängt daher im Januar schon an, Geld beiseite zu legen. Zehn Prozent seines Lohnes legt er monatlich beiseite. Dafür will er dann ab September flexibel einzig auf die Qualität der Pflaumen achten und sich keine Gedanken über den Preis machen müssen. Um dann im Oktober … er kann die Pflaumenkönigin fast schon an seiner Seite lächeln sehen.

Bruno glaubt, er ist schlauer als Gustav. Er hat nämlich von der Riesterpflaume gehört. Bruno kalkuliert ebenfalls mit zehn Prozent seines Lohnes – das Tolle bei der Riesterpflaume ist aber: Wenn er nur acht Prozent in die Riesterpflaume investiert, bekommt er Pflaumen im Wert von zwei Prozent geschenkt. Das blöde ist nur, dass das nicht ganz so flexibel ist. Bruno muss seine Riesterpflaumen schon ab Januar monatlich kaufen. „Macht nichts“, denkt er sich, „dafür habe ich ja später noch Geld über, ich musste ja weniger investieren.“

Wir springen in den September. Das Wetter war wunderbar pflaumig und hat prächtige Pflaumen wachsen lassen. Gustav ist ganz selig mit seiner riesigen Menge frischen Pflaumen und legt lost.

Bruno hingegen wurde schon im Laufe des Jahres immer unruhiger. Ihm schwant, dass er sich von den geschenkten Riesterpflaumen hat blenden lassen. Ein großer Teil der Pflaumen ist nämlich schon faul und musste weggeschmissen werden. „Verflucht“, denkt er sich, „hätte ich doch einen Moment darüber nachgedacht, dass mir ein Vorratsschrank voller Pflaumen im Mai nichts bringt – im Oktober muss ein leckerer Kuchen draus werden.“ Zwar hat er ein wenig Geld über, aber das reicht nie und nimmer für den größten Pflaumenkuchen.

Der große Pflaumenkuchenfesttag ist da – und sowohl Gustav als auch Bruno haben Recht gehabt. Brunos Kuchen ist wirklich nicht der größte und die ollen Pflaumen aus dem April haben sich auch nicht als der große Hit erwiesen. Da ist dann halb so schlimm, dass die Riesterpflaumen-Verschenkstelle ein Stück Kuchen abhaben möchte.

Gustav hingegen kann es an jenem Tag mit Hannibal aus der Serie „Das A-Team“ halten:

Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert

Sein Kuchen ist riesig und die Pflaumen, die er kaufen konnte, sind ein Gedicht. Das findet auch die Pflaumenkuchenkönigin, die ihm sogar ein Siegerküsschen auf die Wange drückt.

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Liebe Verbraucherschutzzentrale, liebe „Sowieso- und hast Du nicht gehört“ Test – aber auch lieber Bankberater mit den lustigen bunten Kärtchen und Tabellen, die die Mär vom Fördervorteil erzählen:

Die Verbraucher wollen später leckeren Pflaumenkuchen (und vielleicht die Pflaumenkuchenkönigin). Dass man ihnen irgendwann mal Pflaumen schenkt, von denen sie überhaupt nichts haben und von denen sie am Ende auch noch wieder was abgeben sollen, riecht nach faulen Pflaumen.

So. Ich gehe jetzt mit Gustav und der Pflaumenkuchenkönigin eine Schale Erdbeeren kaufen. Die unterstützen, wie wir aus Hollywood wissen, ja den Geschmack des Siegeschampagners.

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Zum Wohl!

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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