Riester: Ausreden? 15 Minuten?

Thema: // Author: Arne Lotze

Darum geht’s: Das Sparen für’s Alter ist ein wichtiges Thema – für das man sich Zeit nehmen sollte. Das passiert bei Banken manchmal nicht und damit wird sogar geworben! Hier am Beispiel der Hamburger Sparkasse und der Riester Rente.

In guter deutscher Tradition möchte ich mich gerne aufregen. Ich gehe dabei – ebenfalls in guter deutscher Tradition – nicht auf die Straße. Sondern in die Netzöffentlichkeit.

Beratung? Pustekuchen

Zum Auslöser ein paar Worte vorweg: Das Plakat gab es so und das Photo entstand vor etwa einem Jahr. Es ist nicht weiter schwierig zu erkennen, wer Urheber des nämlichen ist, darum geht es aber, wenn überhaupt nur auch, und nicht im Kern.
Denn es ist durchaus Sitte in vielen Beratungsgesprächen, dass „Beratungs-“ zum Euphemismus wird. Insofern ist das abgebildete Plakat also mehr paradigmatisch als physisch am Pranger zu verstehen.
In medias res. Abgebildet ist ein junger Mann. Wahrscheinlich Akademiker und Berufseinsteiger. Zumindest sieht er noch frisch und guten Mutes aus und hat die Krawatte abgenommen und den obersten Hemdknopf lässig geöffnet. Zu seinem dynamischen Leben passt ungemein gut, dass er sich nicht länger als eine Viertelstunde Lebenszeit abschneidet, um sich um seine Altersvorsorge zu kümmern. Vielen Dank und Tschüss, wie man in Hamburg sagt.

EZX phone

Ein Gedankenstrich für Heidi Kabel: –

Riester – 900 Sekunden, 48.000 €

Apropos Gedanken. Moment. Geht es hier nicht um ein nicht unwesentliches Thema? Nachdem so ziemlich jeder mitbekommen haben sollte, dass die Rente in Deutschland zwar sicher, ungewiss aber deren Höhe ist und sogar die Bundesregierung dafür wirbt, dass privat für das Alter vorgesorgt wird, soll sich der sympathische junge Mann binnen 900 Sekunden dafür entscheiden über – sagen wir er ist 27 Jahre alt und wir mit 67 in Rente gehen – 40 Jahre 12 Monate lang schätzungsweise so um die 100 € an Beiträgen zu bezahlen. Ich bin mir nicht so sicher, ob er 48.000 € auch sonst so bedenkenlos verabschiedet. Wobei „verabschieden“ ungemein treffend ist. Was ihm aber mit Sicherheit nicht erzählt werden wird. Wie denn auch in einer Viertelstunde?
Des Blogbeitrags Kern steckt also in der Verwunderung darüber, dass nicht nur ein krasses Missverhältnis besteht zwischen Wichtigkeit und Tragweite der Entscheidung und der Zeit, die dafür aufgebracht wird, sondern dass damit sogar noch geworben wird!
„Lieber Kunde, ich nehme Dein Geld auch, ohne jede beratende Gegenleistung zu erbringen. Wenn das gut für Dich klingt, dann bitte ein Mal unten rechts.“
Verrückt. Und das in einem Zeitalter, in dem grundsätzlich so viel verglichen und recherchiert wird, wie nie zuvor. Bevor 80 ct. für Butter ausgegeben werden, gehen Einkäufer verschiedentlich mehrfach vor dem Kühlregal auf und ab und vergleichen Preise. Bevor eine Digitalkamera für 100 € erstanden wird, werden drei Preissuchmaschinen und diverse Tests konsultiert.
Geht es aber um eine Entscheidung über das 480-fache der Summe und das geschätzte 20-fache der Lebensdauer der Digitalkamera, wird der Gedankenlosigkeit einiger Appeal attestiert.
Dem eine Absage zu erteilen, klingt für mich nicht nach Ausrede sondern nach gesundem Menschenverstand – und an die Reminiszenz an gute hanseatische kaufmännnische Aufrichtigkeit. Schließlich besteht Hamburg bei weitem nicht nur aus „Tschüss.

Im Bild nochmal nachzuvollziehen hier: Riester und Äpfel

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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