Rente: Was sicher ist

Thema: // Author: Arne Lotze

Der Freund des US-amerikanischen Unterhaltungsfilms weiß: „Nothing is certain but death and taxes.“ Der Deutsche Bundesbürger seit Norbert Blüm weiß: „Eins ist sicher: die Rente.“

was sicher ist

Jetzt ist das beides gar nicht so fern voneinander. Irgendwie haben Steuern und Rente ja was miteinander zu tun und irgendwie haben auch Rente und Tod was mit einander zu tun.

Die einzig absolute Größe in der Gleichung bleibt allerdings der letztgenannte, der Tod.

Sowohl die zu zahlenden Steuern als auch die zu erwartende Rente ändern sich.

Nun haben wir Deutsche insofern Glück, als Umfragen belegen, dass je nach Umfrage um und bei 70% der Befragten einräumen, keine Ahnung zu haben, was sie später so erwartet. Man wähnt sich auf der sonnigen Seite des Lebens. Immerhin, ihr Bauchgefühl sagt allgemeinhin nichts Gutes.

Auch zu Recht.

Der durchschnittliche Rentner ist arm

Viele Rentner gelten schon heute als arm, wie einem Artikel von Yuriko Wahl-Immel aus der Financial Times Deutschland vom 10.07.2011 zu entnehmen ist:

Als arm gilt in Deutschland, wer weniger als 935 € im Monat zur Verfügung hat. Der durchschnittliche männliche Erstrenter kommt hingegen auf 820 €. Der durchschnittliche männliche Erstrentner ist also arm. Dass arm sein für schlechtes Bauchgefühl sorgt, ist nachvollziehbar.

Siehe auch das Handelsblatt

Wie aber kommt das eigentlich?

Verkürzt kann man sagen: Durch den demographischen Wandel, die Veränderung der Altersstruktur unserer Gesellschaft also. Seit Jahren schon werden wir Deutschen im Durchschnitt immer älter weil es erstens immer mehr vergleichsweise ältere Menschen als vergleichsweise jüngere Menschen gibt und weil vergleichsweise ältere Menschen vergleichsweise immer noch älter werden.

Nun sind ältere Menschen tendenziell Leistungs-empfänger aus den Töpfen des Sozialversicherungssystems, also Rente und Kranken- und Pflegeversicherung und jüngere Menschen eher Beitrags-zahler. Wer aufpasst merkt, dass ein Gewitter aufzieht am Horizont, wenn immer weniger Beiträge immer mehr Leistungen bezahlen sollen. Für eine Weile lässt sich das durch Steuersubventionen auffangen, was zur Stunde bereits passier. Nur lassen sich ja auch diese nicht beliebig erhöhen – allerspätestens bei 100% wäre Schluss.

Wie aber wird uns glauben gemacht, dass es noch immer funktioniert?

Der Theorie zufolge erhielten wir als 45 Jahre lang Sozialversicherungspflichtiger vor Riester 70% des letzten Netto und erhalten seither 67% des letzten Netto von der Deutschen Rentenversicherung Bund – mit 67 wohlgemerkt. Im immer lauter werdenden Aufschrei gegen uneffiziente Riesterverträge wird häufig vergessen, dass ohnehin nie geplant war, mehr als 3% Nettorentenlücke mit ihrer Hilfe zu schließen. Das macht Riesterverträge aber auch nicht besser.

Bei Wahl-Immel lesen wir weiterhin, dass die gesetzliche Rente 1996 sogar noch 70% des letzten Bruttogehaltes ausgemacht hat. 2030 werden es nur noch 43% sein. Man geht sicher nicht fehl, wenn man erwartet, dass sich die Nettorentenlücke ähnlich entwickeln wird.

Ich fasse zusammen und spitze zu:

1. Wir werden weiterhin alle irgendwann sterben.

2. Wir werden weiterhin Steuern zahlen.

3. Wir werden weiterhin Rente bekommen.

Anzunehmen ist jedoch, dass wir so wenig Rente bekommen werden, dass wir mit den Steuern bis zum Tod nicht viel zu schaffen haben werden. Für Steuern gibt es schließlich Freibeträge und bei – ich runde kaufmännisch ab – 40% des letzten Netto sollte das klappen. Die Rente ist sicher. Nicht aber ihre Höhe und das gesetzliche Renteneintrittsalter. Auch sehenden Auges dürfen wir gespannt sein und sind gut beraten, wenn wir in Angesicht des aufziehenden Gewitters schon heute unseren Regenschirm wählen. Nicht, dass es uns nachher wie Friedrich Nietzsche geht, in dessen Nachlass ein Textfragment gefunden wurde, auf dem stand: „Ich habe meinen Regenschirm vergessen.“

Regenschirm vergessen (Twitter oder Nietzsche)_thumb[6]

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