LVRG – Lebensversicherungsverfallgesetz

LVRG

– das natürlich gar nicht so heißt. Sondern „Lebensversicherungsreformgesetz“, kurz LVRG. Die Wirkung ist aber die nämliche und wir lieben es ja, uns an Ergebnissen zu messen.

Das ist so, weil die zum 1.1.2015 in Kraft tretende Reform endlich wirklich mal eine ist. Per definitionem ist von Reform ja nur dann die Rede, wenn es sich um eine größere (!), planvolle und gewaltlose Umgestaltung handel. In der Praxis fanden wir hingegen eher sog. „Gesundheitsreformen“, hinter denen sich im Grunde nur verbarg: Es ändert sich systemisch gar nichts, perspektivisch fährt das Ding eh gegen die Wand, dafür wird es jetzt für die Versicherten aber wenigstens teurer. Sei’s, weil Beiträge steigen oder sei es, weil sie mehr medizinische Leistung selbst bezahlen müssen.

In der Wirkung ist das Lebensversicherungsreformgesetz tatsächlich größer und das liegt wesentlich an einem Bestandteil:

Garantiezins sinkt auf 1,25%

Der Garantiezins wird von 1,75% auf 1,25% abgesenkt. Klingt gar nicht so groß? Sind doch nur 0,5%. Richtig. Aber wie viel weniger als 1,75% sind denn 1,25% prozentual? Richtig. 28,6%.

DWO-FI-Berufsunfaehigkeitsversicherung-Teaser

Versicherer müssen in 2015 also mit 28,6% weniger Ertrag rechnen, wenn sie um eine konservative Geldanlage, die da Deckungsstock heißt, einen Versicherungsvertrag bauen.

Da Versicherer nicht zaubern können – unter uns Klosterschwestern kann die Versicherungsbranche seit Jahren vor allem: jammern. Und das ist vom Zaubern recht weit entfernt – erst recht nicht in Zeiten, in denen deutsche Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit mit 1,29% p.a. rentieren, brauchen sie in 2015 von irgendwoher mehr Geld als noch in 2014.

Woher sie das bekommen? Genau. Von den Versicherten.

Wichtig ist, sich klarzumachen, dass Versicherer deswegen nicht das böse Imperium sind. Obwohl, so ein, zwei Marktteilnehmer würden mir schon einfallen, die ich dazuzählen würde … anderes Thema. Versicherer müssen so rechnen, weil der Gesetzgeber das vorgibt und Rückversicherer das fordern. Letztlich zum Wohle der Versichertengemeinschaft für die der schlimmste Fall wäre, dass der Versicherer pleite geht, weil er zu sorglos mit dem Kapital umgegangen ist.

Übrigens würde ich mir in manchem Fall wünschen, dass es derlei Richtlinien auch für Privatpersonen gibt, die in der Niedrigzinsphase der Meinung sind, unbedingt eine Immobilie kaufen zu müssen – ohne, dass sie auch nur einen Euro an Eigenkapital angespart haben. Weltklasse Idee, wer über Jahre bewiesen hat, dass er nicht sparen kann, verschuldet sich erstmal über mehrere 100.000 €. Aber einmal mehr: anderes Thema.

Was bedeutet das LVRG für den Verbraucher?

Zurück zu dem, was meiner Meinung nach für den Verbraucher der Kern des Lebensversicherungsreformgesetzes ist: Berufsunfähigkeitsversicherungen werden für junge Versicherte 5%-7% teurer. In Euro bedeutet das bei 35 Jahren Laufzeit und 40 € monatlichem Zahlbeitrag beispielsweise den Sprung von 16.800 € über die gesamte Laufzeit auf 17.640 € bzw. 17.976 €. Immerhin 1.000 € also, die man entweder sich selbst oder dem Versicherer in den Rachen schmeißen – oder auch kippen kann (ich empfehle aus aktuellem Anlass: Grüner Veltliner von der Domäne Wachau Smaragd 2012; das wären immerhin 91 Flaschen).

Dass die Dinger wichtig sind – nein, nicht der Wein, die Versicherung – erwähnte ich ja bereits und sogar mit Konfetti:

Video: Berufsunfähigkeit – alles, was ich dazu zu sagen habe

Schlau ist, wer sich jetzt unabhängigen Rat an die Seite holt und sich kümmert und es nicht grundlos nach 2015 aufschiebt. Und wenn die 91 Flaschen Wein jemandem schnuppe sind, dann würde ich diese Bürde auch tragen und stelle jederzeit gern eine Lieferanschrift zur Verfügung.

Was das Lebensversicherungsreformgesetz sonst noch bringt? Zweierlei.

  1. Der Titel meines Beitrages wird eingelöst: Kapitallebensversicherungen mit klassischem Deckungsstock werden weiters vom Markt verschwinden. Dann gibt es immer noch viel zu viele davon – aber immerhin. Und Heureka.
    Video: KLV – Legaler Betrug feiert 30. Geburtstag
  2. Versicherer dürfen weniger Risikoüberschuss behalten als vorher und müssen mehr davon an die Versichertengemeinschaft weitergeben. Das führt mit großer Wahrscheinlichkeit dazu, dass Gesundheitsfragen noch penibler geprüft werden und Vorerkrankungen schneller zu einem Risikozuschlag führen.
    Das ist ein bisschen so wie bei einer Wanderung im Sommer bei ordentlich Hitze. „Nehme ich jetzt eine oder zwei Flaschen Wasser mit? Einerseits ist der Rucksack eh schon schwer genug. Andererseits ist zu wenig Wasser auch nicht schön.“ Schließlich entscheiden sich alle für die leichte Variante bis auf Tim. Tatsächlich kommen auch alle mit einer Flasche aus. Bei der letzten Rast jedoch freut Tim sich so richtig auf seine noch volle, zweite Flasche – und wird vom Wandergruppenleiter gezwungen 90% des Inhaltes an die anderen zu verteilen. „Tolle Wurst“, denkt er sich. „Schleppen durfte ich sie allein, trinken tun alle.“

 

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Gerade Leser von finanzdiskurs sind bestimmt ohnehin so nette Menschen, dass sie ihr Wasser auch ohne Zwang teilen würden. Vielleicht fällt aber auch Euch der eine oder andere ein, der da mürrisch würde (und der finanzdiskurs noch nicht kennt). Der würde sich sicher zwei Mal überlegen, bei der nächsten Wanderung eine zweite Flasche Wasser mitzuschleppen.

Und genau das werden Versicherer ab 2015 auch tun.

Wohlan also. Die Halbzeit zu Weihnachten ist längst Geschichte – und zumindest ich stehe an Weihnachten für Beratungsgespräche nicht zur Verfügung. Wo also noch kein Schnee liegt, suche man sich den gleichermaßen unabhängigen wie kundigen Berater seiner Wahl und prüfe, bevor man sich bindet.

(Sehr sehr richtig, Kathrin Gotthold: Welt: Die falsche Logik des Risikoschutzes)

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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