Kreative Zerstörung der Lebensversicherung

Thema: // Author: Arne Lotze

Platz für Neues

Ein Freund von mir schrieb dereinst seine Diplomarbeit zum Thema „Kreative Zerstörung“. Dabei geht es (sicherlich zu) knapp umrissen darum, dass es nicht nur hinnehmbar sondern sogar förderlich ist, wenn Unternehmen vom Markt verschwinden – um dabei Platz zu machen für Neues, Innovatives. Gerade im recht traditionsbewussten Deutschland wird nur zu häufig festgehalten an Dingen, nicht weil sie so hervorragend sind, sondern weil sie schon so lange da sind.

Teambindung

Jener Diskurs ließe sich nun gewinnbringend und kontrovers auf das Geschehen in der Finanz- und Bankenkrise übertragen und es ließe sich trefflich streiten, wer gerettet oder aufgefangen werden darf, muss und nicht sollte.

Das führt hier aber zu weit.

Stattdessen kann man in der Versicherungsbranche derzeit zumindest den Trend zur Zerstörung beobachten und ich hoffe doch sehr, dass Menschen in der Folge kreativ werden, um innovativ eigentlich Selbstverständliches zu leisten.

Zerstörung der Kapitallebensversicherung

Es war auf finanzdiskurs unlängst schon die Rede vom umjubelten Ende der Kapitallebensversicherung (KLV):

Der König ist tot, lang lebe der König

Als eine Ursache, die das untermauert wird heute im Versicherungsjournal hingewiesen:

Versicherungsjournal: Fluch der prognostizierten Werte

Schuld sei nämlich der Fokus auf prognostizierte Ablaufleistungen.

Nun. Womit hätte man den Käse auch sonst verkaufen sollen? Mit einem Fokus auf Garantien, die nach Kosten gerade noch so viel wert sind wie ein Kopfkissen, unter das man sein Erspartes legt?

Zur Erklärung. In KLV gibt es immer mindestens zwei Werte. Einen garantierten, das ist die Summe, die dem Versicherten bei Ablauf (vor Steuern) auf jeden Fall zusteht. Der ist in den überwiegenden Fällen nur nicht der Rede wert. Ferner einen prognostizierten Wert, das ist im Grunde eine Fantasiezahl, die man auch würfeln könnte. Sicher, bei solch langen Anlagezeiträumen ist egal welcher Wert immer falsch und nähert sich im besten Falle ordentlich an die Realität an. Es ist nur so, dass Kapitallebensversicherungen vollkommen intransparent sind. Man weiß, dass es gesetzliche Vorschriften gibt, in welche Anlageklassen investiert werden muss/darf, was genau mit dem Geld der Versicherten passiert, bleibt aber eine Wundertüte.

Nun wurde also eine Wundertüte verkauft, deren Inhalt wenig zu Begeisterung verleitet.

Da trägt die vermittelnde/verkaufende Zunft die Schuld doch aber schlichtweg selbst. Aus Abneigung, Kunden ausführlich zu beraten, wurden teure, intransparente und legal betrügende Produkte verkauft, die den Versicherern jetzt auf die Füße fallen.

Intransparenz soweit die Garantien reichen

Zumal auch kaum Gelegenheit zu erhellenden Serviceterminen bestand. Zum einen sind Gespräche zwischen Vermittler und Kunde, die einzig dem Service gewidmet sind, ohnehin selten an der Tagesordnung. Und zum anderen: was hätte der Vermittler dem Kunden auch erzählen sollen? Er weiß schließlich genauso wenig wie der Kunde, wie die jährlich aktualisierten garantierten und prognostizierten Werte erwirtschaftet werden.

Ich hoffe es wird hinreichend plastisch, dass die Zerstörung im Werk am Werk ist bzw. immer schon gewesen sein wird.

Was die Kreativität angeht, zeigt sich ein Silberstreif Hoffnung am Horizont, gleichwohl die Finanzdienstleistungsbranche das noch nicht verstanden hat.

Flucht in Wertschöpfendes

Gestern war dem Versicherungsjournal nämlich zu entnehmen, dass es den Fluchtreflex in die Fondspolice gebe:

Versicherungsjournal: Fluchtreflex Fondspolice eingedenk der Werte, die Werte schaffen

Das wird insofern in der Branche offenbar einhellig kritisch gesehen, als Fondspolicen mit so viel Beratungs- und Serviceaufwand verbunden sei:

Kunden sind nicht bereit, beraten zu werden?

„Der Beratungsaufwand bei der Vermittlung von Rentenpolicen sei gigantisch und Kunden seien nicht bereit, diesen Aufwand separat zu zahlen“, so Stephan Naskowiak, Direktor Produktmanagement Deutschland beim AWD (Swiss Life Select).

Ja Himmel Herrgotts Sakra! Will mir die Versicherungsbranche denn allen Ernstes erzählen, dass Beratung für den Kunden zu viel verlangt ist? Und welchen Schuss hat man beim AWD eigentlich nicht gehört, dass auch noch zusätzlich Geld verdient werden soll, wenn deren Berater offenbar erstmals das tun sollen, was das Wort suggeriert – beraten? Eingedenk, wir bewegen uns in Zeiten, in denen eher die Meinung vorherrscht, dass Vermittler zu viel Geld verdienen.

Mir erscheint das wie irgendwas zwischen richtig mutig, richtig dreist und richtig kurzsichtig.

Kreativer Gegenvorschlag: Wie wäre es denn, wenn Vermittler sich richtig Zeit nähmen, ihre Kunden ordentlich und bedarfsgerecht zu beraten? Wie wäre es ferner, wenn man sich nicht nur ein Mal im Leben, sondern immer mal wieder sieht, um gemeinsam zu bewerten, ob der eingeschlagene Weg in der Altersvorsorge unverändert zielführend ist?

Ich kann mir vorstellen, dass kein Verbraucherschützer und vor allem kein Kunde dann das Gefühl hätte, dass sein Vermittler zu viel Geld verdient.

Seid also kreativ und zerstöret. Den legalen Betrug nämlich.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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