KLV – Legaler Betrug feiert 30. Geburtstag

Thema: // Author: Arne Lotze

“Kapitallebensversicherung zur Altersvorsorge ist legaler Betrug”

Damit soll er nicht allein auf weiter Flur stehen. Wer also sicherstellen möchte, dass Versicherer sich auch in 30 Jahren den nächsten Glaspalast hinstellen, liegt mit dem Produkt goldrichtig. Wer einen auskömmlichen Cashflow im Alter haben möchte, sollte sich nach Alternativen umschauen.

Welt: Altersvorsorge in Gefahr

Altersarmutjpg

Das bedarf natürlich der Präzisierung. Jede Form von Altersvorsorge? Und die Altersvorsorge aller Deutschen?

Nein, nicht jede Form der Altersvorsorge, aber der Deutschen liebste Form. Nicht weil das die beste und geeignetste Form ist, aber weil es – der geneigte Leser erinnert sich – eben so ist. Versicherungs-Gewohnheitstäter

Ferner jein, die aller Deutschen. Damit will ich sagen, dass selbstverständlich nicht jeder in den „Legalen Betrug“ Spiegel: Legaler Betrug oder den „Legalen Betrug 2.0“ – Riester – investiert. Statistisch gesehen hat bei ca. 90 Mio. Verträgen jeder der 82 Mio. Bundesbürger 1,1 Lebensversicherungsverträge.

Es handelt sich also durchaus um ein Thema von einiger Brisanz. Und das kommt so:

Kapitallebensversicherung ist eine Schuldverschreibungen

Klassische, kapitalbildende Lebensversicherungen funktionieren im Grunde wie Schuldverschreibungen. Ein Sparer schenkt dem Versicherer Geld. Dafür bekommt er einen Zettel auf dem in etwa steht: „Vielen Dank für Deine Beiträge in Höhe von … €. Dafür garantiere ich Dir, dass ich meine Schulden Jahre später mit Zins und Zinseszins zurückzahle. Die wirkliche Garantie ist ziemlich überschaubar, aber wenn wir Glück haben, gibt‘s noch einen Schnaps oben drauf.“

Der wirklich vorsichtige Vorsorger könnte schon jetzt stutzen: „Und was ist, wenn der Versicherer später gar nicht mehr da ist?“ Im schlimmsten Falle: Pech gehabt. Das ist so, wie wenn Peter seinem Freund Rudi 1.000 € für die nächste Runde Roulette leiht, Rudi sich ins Ausland absetzt und keine Familie greifbar ist, die für Rudis Schulden einsteht. Blöd für Peter.

Wahrscheinlich wäre für den deutschen Vorsorger oder aber Peter schön zu wissen, was denn mit dem hart erarbeiteten, abgegebenen Kapital passiert. Transparenz hieße das Zauberwort. Und jetzt kommt das Perfide: Gibt‘s nicht.

Transparenz gibt’s nicht

Handelsblatt: Wie Lebensversicherer anlegen

Lebensversicherer sind an bestimmt Anlagevorschriften gebunden, erzählen innerhalb dieses Rahmens aber nicht, in welche nachvollziehbaren Positionen sie investieren. Das tun sie nicht für die Gesamtheit aller Sparer und erst recht nicht für jeden Einzelnen, den im Zweifelsfall vielleicht ja zunächst gesteigert interessieren könnte, wie sein Geld investiert ist.

Nachdem Intransparenz zumindest bei mir schon eher nicht für ein wohliges Gefühl der Sicherheit in der Magengegend führt, geht es jetzt noch fröhlich weiter.

Der Versicherer liebstes Anlageinstrument für der Deutschen liebste private Altersvorsorge war nämlich seit jeher: Die Staatsanleihe. Genau, die Dinger, die momentan wahlweise entweder mit einer unterirdischen Rendite aufwarten oder Furcht verbreiten, dass man sein Geld am Ende nicht wiederbekommt. – Anleihen funktionieren nämlich so: Man leiht jemandem für eine festgeschriebene Zeit Geld. Dafür bekommt man jährlich Zinsen und am Ende dann das geliehene Geld zurück. Wenn man so möchte, tritt man für den Schuldner also an die Stelle einer Bank und vergibt einen Kredit. Unerquicklich wird das dann, wenn man zwar die Schuldzinsen bekommt, aber das anfänglich geliehene Kapital nicht. Das hält man bei vielen strauchelnden Ländern in der Euro-Zone derzeit für bedauerlich wahrscheinlich.

Dazu ein Video hier

Unser Peter ist mit seinem Rudi also sogar noch eine Karusselldrehung schlechter dran. Er leiht nämlich Rudi Geld. Und Rudi verleiht es irgendwo anders hin. „Freunde im Ausland“, sagt er nur. Was die damit machen? Man weiß es nicht. Vielleicht bezahlen sie ja Pensionsbezüge für Menschen, die schon seit Jahren verstorben sind.

Wir sind fast, aber noch nicht ganz am Ende der Karussellbewegung. Rudi hat Peter nämlich ganz stolz berichtet, wie toll die Option durch Rudi Geld ins Ausland zu verleihen für Peter ist. Das wollte Rudi daher nicht für umsonst machen. Von dem, was er aus dem Ausland zurückbekommt behält er also eine kleine Aufwandsentschädigung – man hat ja so seine Kosten.

Wenn die Freunde im Ausland nun also doch nicht so toll zahlen, Rudi aber dennoch seine Aufwandsentschädigung bekommen hat, was bleibt denn dann am Ende für Peter?

Nun, Rudi denkt sich insgeheim auch: „Peter soll ja später von seinen Zinsen nur satt werden. Nicht dick.“

Für Peter ist das wie im Theater. Und vielleicht tut er Bertold Brecht ja den Gefallen und lernt was dabei:

„Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

Das könnte dich auch interessieren

  1. KLV: Das trojanische Pferd

    Science Fiction bezahlt keine Brötchen „Außer Spesen nichts gewesen“, wird sich der ein oder andere

  2. Rendite – Kommt ein Mann zur Bank

    „Ich möchte Geld anlegen.“ Sagt der Mann hinter dem Schalter: „Ist Ihnen die Verzinsung wichtig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.