KLV: Das trojanische Pferd

Thema: // Author: Arne Lotze

Science Fiction bezahlt keine Brötchen

„Außer Spesen nichts gewesen“, wird sich der ein oder andere Verbraucher denken, der seine klassische, kapitalbildende Lebensversicherung – wir erinnern uns, der legale Betrug Spiegel Legaler Betrug – vor Ende der Ablaufzeit gekündigt hat.

Nein, natürlich nicht die Spesen des Verbrauchers, die der Versicherung. Die nämlich bindet deutschen Sparern seit Jahrzehnten den Bären auf, dass es eine prima Idee sei, wenn er ihr Geld ins Betriebsvermögen schiebt und er dafür eine jämmerliche Garantie – abzüglich Kosten – erhält und ferner verbrieftes Recht auf zusätzliche Überschüsse, die irgendwo zwischen Null und unendlich liegen. Der Rechtsanspruch auf jährliche Wertmitteilungen ist vergleichbar mit dem auf die Geschehnisse und technischen Errungenschaften, von denen man in Science Fiction Romanen liest.

„Häh, aber ich habe doch keinen rechtlichen Anspruch auf irgendwas, das in Science Fiction Romanen steht!?“ – Genau.

Jedenfalls überbieten sich der Lehrstuhl für BWL der Universität mit der Verbraucherzentrale Hamburg einerseits und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. andererseits derzeit mit grobem Unfug, ohne jedoch an den faulen Kern des Problems vorzustoßen.

Ich fasse kurz zusammen: Die Verbraucherseite, also alle, die Versicherungen haben sind in besagter Studie darauf gekommen, dass ihnen in der Vergangenheit ein Schaden von rund 160 Milliarden Euro entstanden sei, weil viele Verträge frühzeitig gekündigt worden sind. Die Anbieterseite, die Versicherer also, hat nun ausgerechnet, dass das gar nicht sein kann, weil ja überhaupt nur Abschlusskosten in Höhe von 81 Milliarden Euro entstanden seien.

SUPER. Ein Nebenkriegsschauplatz, und los!

Ein Danaergeschenk

Liebe sich aufs Dach Steigende, das entbehrt jeglichen Sinns. Denn, Butter bei die Fische, Kern des Problems ist doch, dass besagte Lebensversicherungen ein Danaergeschenk (das Geschenk, das die Griechen/Danaer den Trojanern gemacht haben) für den Versicherten sind und schon immer waren. Warum werden derlei Verträge denn so häufig gekündigt? Weil irgendwann mal jemand Taschenrechner, Papier und Stift zur Hand nimmt und merkt, dass das vollkommen uneffiziente Sparverträge sind. Sicher, es mag Versicherte geben, die kündigen, einfach weil ihnen finanzielle Mittel fehlen, weiter Beiträge zu bezahlen. Das ist aber die Minderheit. Die Mehrheit kündigt, weil das schlechte Geschäft in dem Moment angefangen hat, als sie den ersten Euro/die erste Mark Beitrag bezahlt haben und nicht, als sie verfrüht zu wenig ausgezahlt bekommen haben.

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Wunder nimmt hier, dass die werten Versicherer es geschafft haben, riesige Vermögen mit dem Geld ihrer Kunden aufzubauen, wenn es mit dem Rechnen eigentlich nicht weit her ist. Wenn schon hin und her gerechnet wird, dann doch gerne richtig, bitte. Der GDV, rechnet beispielsweise vor, dass ein solcher Verlust Quatsch sei, weil das ausgezahlte Geld ja mit der durchschnittlichen Rendite festverzinslicher Wertpapiere verzinst worden sei. Das seien im untersuchten Zeitraum 3,79% p.a. Bei 100 € Einzahlung über zehn Jahren seien das nach zehn Jahren 14.561 €.

Ich möchte ein Gegenbeispiel aus der unlängst erlebten Praxis anführen: 50 € mtl. über  5 Jahre Laufzeit; macht 3.000 €. Ausgezahlt wurden… 150 €.

Es fehlen Worte und man zweifelt, ob das Unvermögen oder Dreistigkeit ist, nicht wissend, was schlimmer oder besser ist. Soll sich um meine Altersvorsorge jemand kümmern, der unfähig ist zu rechnen oder jemand, der sich dreist an meinem Geld bereichert und mir dann auch noch das Blaue vom Himmel lügt – bis am Ende das böse Erwachen kommt?

3,79% / 3 Fehler

Ich möchte kurz aufklären. Mit 3,79% p.a. verzinste Verträge gibt es schon lange nicht mehr. Denn:

  • Fehler 1: Garantien hängen mit dem Höchstrechnungszins zusammen, nicht mit der durchschnittlichen Umlaufrendite von festverzinslichen Wertpapieren.
  • Fehler 2: Rückkaufswerte sind Einzahlungen MINUS Kosten mal Verzinsung. Ein Versicherungsvertrag hat nicht lediglich Abschlusskosten sondern ferner eine Risikoprämie und Verwaltungskosten. Und das zuweilen nicht zu knapp, sonst entstünden nicht so desaströse Ergebnisse, wie ich sie vor kurzem erlebt habe.
  • Fehler 3: Es ist mit Blick auf einen Zinseszinseffekt selbstverständlich entschieden weniger förderlich, wenn von Einzahlungen erst Kosten abgehen und die Verzinsung dann einsetzt.

All dies ist aber erst nachrangig das Problem.

3x legaler Betrug

Das Problem ist, dass überhaupt Verträge verkauft wurden und werden, die in den überwiegenden Fällen lediglich dem Anbieter nutzen, nicht aber dem Käufer. Im Grunde wurde das nur noch schlimmer als legaler Betrug mit Steuervorteil in der Einzahlungsphase – Rürup – und legaler Betrug mit Zulagen vom Staat – Riester – eingeführt wurden. Was von der Bundesregierung gut gemeint war, wurde von der Versicherungswirtschaft dafür genutzt, deren trojanisches Pferd hübsch zu bemalen und zu verzieren und mit dem Kunden dann in extenso darüber zu sprechen, welche Farbe die Hufeisen haben sollen und ob der Schweif gekürzt werden soll oder nicht. Zumeist wurde in der Analyse außerdem die korrekte Rentenlücke nicht beachtet und während die Kunden den vermeintlichen Sieg über ihre Rentenlücke begossen haben, schlichen sich ihre Beiträge aus dem hohlen Bauch des Sperrholzpferdes und brannten die Lebensqualität von Versicherten im Alter nieder um aus den Trümmern riesige Glastempel für Versicherungen zu errichten.

Ein Kollege von mir sagt immer: „Hinten kackt die Ente.“ Die Ente Kapitallebensversicherung jedoch und mit ihr der Sparer werden am langen Arm verhungern gelassen.

P.S. Wer sich den Nebenkriegsschauplatz anschauen möchte, kann das hier tun:

Storno-Studie KLV

Ein Video zur Kapitallebensversicherung hier

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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