Kapitallebensversicherung: Der König ist tot

Thema: // Author: Arne Lotze

… lang lebe der König.

Es ist die Rede vom Königsweg der Altersvorsorge. Es geht aber nicht um euro Selbstherrlichkeit Walter Riester, wie man vielleicht denken könnte.

Walter XVI.

Sondern um die kapitalbildende Lebensversicherung (KLV). In der vergangenen Woche lud ein Freund zu einem Führungskräfte Dinner und es sprach der Vertriebsvorstand Leben der Zurich Versicherung, Prof. Dr. Hans-Wilhelm Zeidler. Seine These war, dass der Versicherer von morgen nicht mehr der Versicherer von heute sein wird.

Das hat vielerlei Gründe – und ist sicher zutreffend. Warum aber auch nicht? Autos werden in zwanzig Jahren genauso wenig noch so aussehen wie heute, wie die heutigen den Modellen von vor zwanzig Jahren gleichen. Menschen, ihr Lebenswandel und ihre Bedürfnisse werden sich ändern und da erscheint nur sinnvoll, dass sich Versicherungsprodukte und mit ihnen die Produktanbieter wandeln. So weit, so dynamisch, aber auch: so grundsätzlich begrüßenswert.

Dramatisches Ende. Nicht.

An einem Beispiel fand das Prof. Zeidler nur überhaupt nicht. Er proklamierte nämlich das Ende der Kapitallebensversicherung. Jene Entwicklung sei kaum aufzuhalten, sie sei aber unsagbar dramatisch, handle es sich doch um das beste Produkt für die Altersvorsorge.

Rendite Rutsch

Fragt sich nur, für wen. Die Versicherer jedenfalls haben sich damit über Jahrzehnte ganz schön die Taschen und die Immobilienportfolios voll gemacht. Für den Kunden hingegen handelte es sich um legalen Betrug.

Das trojanische Pferd der Versicherungswirtschaft

Das hat Prof. Zeidler nur nicht davon abgehalten gleichermaßen ein Loblied und einen Abgesang auf die KLV vorzutragen.

Mittenmang ich, dramatisch angespannt lediglich insofern als ich überlegte, ob plötzliches Aufspringen, Klatschen und Jubeln wohl angemessen wäre.

Kapitallebensversicherung, das Ende. Na endlich.

Das Ende der KLV. Das aus dem Munde eines Vertriebsvorstandes eines deutschen Versicherers. Na endlich.

Eine Ausschau gab Prof. Zeidler außerdem. Der Trend gehe in Richtung fondsgebundener Produkte. Da sind wir mal gespannt. Zumal das ein Feld ist, das den Menschen, denen Prof. Zeidler vorsteht, nicht ganz grün sein dürfte.

Verträge, innerhalb derer Garantiefonds bespart werden, waren nach der Finanzkrise 2008 die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wurde. Das hatte allerdings wesentlich mit Marketing und wenig mit Beratung zu tun. Was man an der Wertentwicklung der besagten Fonds auch ablesen kann. Die Garantie, die Kunden gegeben wurde, scheint bislang darin zu bestehen, dass sie nach Inflation Geld verloren haben werden.

Spitzengarantie.

Jedenfalls teilte mir ein erfahrener Vertriebler im Zwiegespräch im Anschluss auch gleich mit: „Diese fondsgebundenen Produkte, das ist ja schön und die laufen ja auch recht gut. Aber ganz ehrlich, da muss man den Kunden ja so viel beraten. Die Fragen dann immer alle, was denn ein Investmentfonds ist und ob Aktien wirklich so gefährlich sind.“

(Das könnten sie nachvollziehen hier.)

Genau. Das machen Kunden. Ist ja auch keine ganz verrückte Idee, das Produkt verstehen zu wollen, das man bespart. Außerdem finde ich nicht verrückt, als Berater bezahlt zu werden für Beratung anstatt lediglich dafür, dass man den Kunden mit Produktbroschüren zuschmeißt und ihm im Anschluss zeigt, wo das Unterschriftenfeld zu finden ist.

Beratung unabhängig vom Kundeninteresse

Das war und ist in vielen Banken und Versicherungen über Jahrzehnte aber nicht auf der Tagesordnung. Stattdessen findet noch immer unabhängige Beratung statt – unabhängig von den Bedürfnissen und Zielen des Kunden nämlich.

Auch Unabhängigkeit ist also nicht immer begrüßenswert.

So blicken wir also gespannt, dem Ende der kapitalbildenden Lebensversicherung entgegen – von der jeder Deutsche im Schnitt mehr als eine besitzt. Und wir bleiben gespannt, ob es ebenfalls Jahrzehnte dauern wird, bis die in der Einzahlphase steuerlich geförderte KLV – auch „Riester“ – mit einem Abgesang bedacht werden wird.

Dann stehe ich endgültig auf und juble.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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