ARD: Das Riester-Dilemma

Thema: // Author: Arne Lotze

Riester, ein Dilemma?

Versteh ich nicht. Also ja, was Riester ist schon. Und was ein Dilemma ist auch: Ein Dilemma bezeichnet ursprünglich eine Schlußart, bei der eine Situation der notgedrungenen Wahl zwischen zwei Möglichkeiten herbeigeführt wird, die beide nicht wünschenswert sind.

Das sehe ich bei Riester nicht gegeben. Ursprünglich, also vor zehn Jahren – daher die Bilanz auf ARD am 9.01.2012:
ARD Mediathek – Das Riester-Dilemma
gab es eine Herausforderung was die Sicherung der Altersvorsorge deutscher Staatsbürger angeht.

Das ist nun aber nicht gleich ein Dilemma, sondern eine Aufgabe. Die Bundesregierung nahm sich der Sache an und führte die Riesterrente ein. Einen Menschen, der erfolgreich etwas unternimmt, zeichnet ja nun auch nicht aus, dass er von vornherein immer alles richtig macht. Sondern, dass er aus Fehlern lernt und in der Lage ist, Entscheidungen als nicht zielführend zu erkennen und entweder anzupassen oder gar zu revidieren.

An diesem Punkt sind wir nach zehn Jahren Riester definitiv angelangt. Nur, dass kein Mensch anpasst oder revidiert – und, dass das immer noch kein Dilemma ist. Anders als, wie im Beitrag gezeigt, in Schweden, kann ja jeder Deutsche Riester-Förderberechtigte immer noch frei entscheiden, ob er riestert oder nicht.

Wer da die Wahl hat, sollte es sich einfach machen und sich dagegen entscheiden.

Wenige Ausnahmen, die Kollegen und mir noch nicht begegnet sind, bestimmt ausgenommen.

Ich fasse kurz zusammen, bevor es munter weitergeht:

Zehn Jahre Riester: ja.

Ein Dilemma: nein.

Damals: die Suche nach einer Lösung.

Heute: nicht riestern.

Gescholten und beleidigt habe ich den Legalen Betrug mit staatlichen Zulagen, d.h.   Riester, bereits in diversen Beiträgen und möchte mich nicht über Gebühr wiederholen.

Der Beitrag auf ARD hat Verschiedenes aber doch sehr schön beleuchtet.

So lässt sich etwas festhalten, dass im Fernsehen gute, informative Inhalte gesendet werden, die dem Zuschauer einen echten Mehrwert bieten. Das ist auch für jemanden, dem nachgesagt wird, er habe „so ein Bücherstudium studiert“ eine schöne Sache.

Ferner wurde deutlich wie dieses Riester überhaupt passieren konnte.

Einerseits gibt es da Wirtschaftswissenschaftler die irgendwas vom Auffangen des demographischen Wandels durch ein Prozent mehr „Arbeitsproduktivität“ faseln. Wenn noch nicht mal Prof. Robert von Weizsäcker verstanden hat, dass eine Zahl, mit der er gerne jongliert noch lange nicht dazu führt, dass es nicht länger ein spürbares Problem darstellt, wenn auf einen Arbeitenden ein Rentner kommen wird, dessen Rente bezahlt werden muss, wie soll man das dann vom x-beliebigen Verbraucher erwarten?

Im übrigen: Ist diese Arbeitsproduktivität eigentlich inflationsbereinigt? Bei rund 2,5% Inflationsrate schiene mir 1% sonst recht mager, einfach weil ein Mensch mit 2,5 Äpfeln deutlich mehr zu essen hat als einer mit nur einem Apfel. Und für viele Deutsche ist Ernährung schon heute eine Frage der Höhe der Altersrente.

Bedauerlich war neben dieser Fehlleistung außerdem, dass besagte Verbraucher sich vorher nicht kümmern und auch, wenn publik wird, dass sie ineffizient sparen, nicht anfangen zu rechnen. Wer vorher den Lemming gemacht hat und hinter den anderen losgelaufen ist, fängt noch nicht einmal an, sich umzuschauen, wenn der Rand der Klippe erreicht ist. „Das ist so. Ich weiß das.“ – Gemeint war, dass beim Riestervertrag der betreffenden Verbraucherin am Ende nicht viel Rente zu Buche stehen wird.

Bei aller Liebe, das ist doch unmündiger Quatsch. Wissen tut nur jemand, der geprüft hat. Und selbst, wenn sie faktisch zufällig Recht hat, ist das doch nichts als opportunistisches Heraufbeschwören der Altersvorsorge-Apokalypse vor laufender Kamera. Ich tat an anderer Stelle schon kund und zu wissen, dass dazu, dass jemandem Quatsch verkauft wird immer zwei gehören: ein zweifelhafter Verkäufer und ein uninformierter Käufer. Beides darf einfach nicht passieren. Tut es aber. Und wenn man hört, wie hier aus Schaden nicht gelernt wird, wird das auch weiterhin so bleiben.

Es gibt aber auch Erfreuliches nachzuberichten. Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten fand ich einmal mehr richtig gut. Sehr abgeklärt, faktisch sehr sauber, sehr verbraucherorientiert.

Weltklasse geradezu fand ich Prof. Gerd Bosbach, der auf die widersinnige Argumentation der Riesterrente von Anfang an aufmerksam gemacht hat und zwar sinngemäß so:

„Das Produkt war von Anfang an so schlecht, dass es ohne Zuschüsse völlig uninteressant gewesen wäre.“

„[…] Ohne Zulagen oder Steuervorteil hätte kein Mensch je ein solches Produkt gekauft. Unfassbar eigentlich, dass ein privates Produkt durch staatliche Geschenke erst vermeintlich vertretbar und verkäuflich gemacht werden muss.“

Guter Punkt. Daumen hoch.

Und auch schön der Hinweis darauf, dass mit Produktkosten natürlich auch immer Werbung und Vertretergehälter mitbezahlt werden. So weiß ich von Beratern am Markt, die keineswegs eine Gesellschaft vertreten und ferner gerade im Bereich Altersvorsorge gerne eine Lösung empfehlen, die als Gesellschaft weder Vertreter hat noch viel in Werbung investiert, sondern ihren Fokus darauf setzt, gut ausgebildete freie Vermittler von der Güte der Lösung zu überzeugen.

Ist mir sympathisch. Ganz im Gegensatz zu Dr. Johannes Lörper, Mitglied des Vorstands der ERGO. Aber das war mein ganz persönliches Empfinden.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

Das könnte dich auch interessieren

  1. Riester: Ausreden? 15 Minuten?

    Darum geht’s: Das Sparen für’s Alter ist ein wichtiges Thema – für das man sich Zeit

  2. Riester: Es war einmal Verbraucherschutz

    Miese Riester-Renten Am 20.09.2011 konnte man mit dem Zweiten bestimmt besser, nicht aber bessere Altersvorsorgeverträge

  3. Riester: Es irrt der Mensch, solang er spart

    Der aufmerksame Leser merkt natürlich auf der Stelle: So steht das gar nicht in Goethes Faust (Vers

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.