Altersvorsorge und Garantie

Thema: // Author: Arne Lotze

Warum auf einmal Garantie?

Wer häufiger mal vorbeischaut, wird sich wundern und fragen: „Was hat er denn auf einmal mit Garantien?“ Keine Sorge, nüscht hat er mit Garantien. Für ihn ist Altersvorsorge immer noch Geldanlage und wie sowas grundsätzlich clever aussieht, gibt es hier. Und weil sie Geldanlage ist, geht es im Kern nach wie vor um die strategische Asset Allokation. Innerhalb derer gibt es zwar 4 klassische Kapitalmärkte, „Garantie“ heißt aber keiner von denen. – Gleichwohl sie natürlich mit Instrumenten aus insbesondere dem Geldmarkt und dem Rentenmarkt (gemeint sind die heuer mit Vorsicht zu genießenden Anleihen) gebildet werden. Nun befinden wir uns im fundamentalen Dilemma, dass die Altersvorsorge für die meisten Sparer langfristig stattfindet (die Rente also länger als 10 Jahre entfernt ist), Geld bei Garantien aber in den kurz- und mittelfristigen Bereich fließt. Das kostet Rendite – heißt, es kommt am Ende weniger raus.

Deshalb gibt es jetzt vom Deutschen Institut für Altersvorsorge einen Rechner, der das zeigt. Und deshalb hat Philip Wenzel für das Versicherungsjournal einen kritischen Artikel geschrieben.

wenzel versicherungsjournal

Altersvorsorge mit Investment

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge hat also eigens einen Rechner programmiert. Grundsätzlich finde ich sowas ja toll und unterstützenswert. Schließlich gibt es bei deutschen Sparern zwei Glaubenssätze: 1. Die Rente ist sicher, reicht aber sicher nicht aus und 2. Altersvorsorge ist vollkommen unverständlich und untransparent und in den sauren Apfel muss ich beißen – zumal eingedenk des Riester-Apfels. Simplification und Gamification sind hier sinnvoll – die Materie soll also einfacher, bestenfalls sogar spielerisch nähergebracht werden. Man muss aber aufpassen, dass man den Bogen dabei nicht überspannt, man ungenau und angreifbar wird – und die Vorsorgenden nicht den Eindruck bekommen lässt, dass sie für „Dummies“ gehalten werden, wie Philip Wenzel schreibt. Der erwähnte Rechner funktioniert recht einfach. Unten gibt es einen Schieberegler mit dem man das Maß an Garantie einstellen kann. Wer selbst ein bisschen spielen möchte, kann das hier tun. Er wird feststellen: ohne Garantie ist ja IMMER viel besser! Denn, bei 100% Investment und 0% Garantie hat der Sparer knapp 58.000 €:

Garantie0

Bei 50% Garantie sind es mit einem Mal nur noch knapp 52.000 €:

Garantie50

Und bei 100% Garantie sind es nur noch 45.500 €!

Garantie100

Der hohe Thron des „Zinseszins ist die größte Erfindung des menschlichen Denkens“ Prof. Einstein ist mit einem Mal also gar nicht mehr so hoch.

Was also anfangen mit der Garantie?

Wie viele Male nachlesbar: mit der Garantie fangen wir gar nichts an. VORAUSGESETZT man selbst oder der Berater an der Seite kennt sich mit Geldanlage aus. Dass im Rechner als Geldanlage der MSCI World gewählt wird, ein Index also, der den Durchschnitt der Aktienmärkte von 23 Industriestaaten weltweit widerspiegelt, ist nämlich so fair wie irreführend. Es braucht nicht den Stein der Weisen, um Geldanlage zwischen 1985 und 2015 erfolgreicher gemacht zu haben als der MSCI World das abbildet. Es gibt aber auch eine Menge Produkthersteller – Banken und Versicherer also – die eigene Investmentgesellschaften haben und vollkommen nachvollziehbar bevorzugt die hauseigenen Investmentfonds ins Rennen schicken. Leider sind viele dieser Investmentfonds eher mittelmäßig gemanagt, so dass das Ablaufergebnis unter dem des MSCI World gelegen hätte. Viele Fonds entspringen eher der Marketingabteilung als einer sensationell guten Investmentstrategie, was auch dazu beigetragen hat, dass sich sog. „passive Investments“ stark im Markt etabliert haben.

Je schlechter aber das Investment, umso mehr ist ein Gedanke an eine Garantie vielleicht kein verschwendeter. Ich bitte das nicht falsch zu verstehen: ein ordentliches und gut betreutes Investment, das zudem ein gutes Ablaufmanagement ermöglicht – also das Raus aus dem Aktienmarkt, wenn die Rente nahe ist, um dann eher mittelfristig und kurzfristig und wertsichernd anzulegen, braucht keine Garantie.

Das war übrigens auch 1985 schon so, damals gab es das Deutsche Institut für Altersvorsorge aber noch nicht – und vor allem gab es damals noch in Hülle und Fülle den Legalen Betrug, die Kapitallebensversicherung. Warum also gerade jetzt die Kampagne gegen Garantien – oder wie Philip Wenzel fragt:

Wem nutzt das?

Nun, das nutzt also zum Beispiel mir. Ich seh das ja grundsätzlich ähnlich, eingedenk der oben stehenden Vorbehalte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn man weiß, dass hinter dem Deutschen Institut für Altersvorsorge die Unternehmen der Deutschen Bank stehen. Von ebender, war auf finanzdiskurs schon am 15.01.2013 zu lesen, dass sie sich, durchaus in Trauer, vom Markt der Kapitallebensversicherungen verabschieden wird. Das Produkt, das am wenigsten mit Investment zu tun hat und am meisten mit zwar gesetzlich geregelten, aber in ihrer Machart undurchsichtigen Garantien, wird vom Initiator des DIA nicht mehr verkauft. Die Überraschung, die entstünde, wenn herauskäme, dass die „fondsgebundene Rentenversicherung“ mit der das „wie-sorge-ich-mit-investment-vor“ Tool gerechnet hat ein Produkt der Zurich wäre, ginge gegen Null.

emoji hehehe

Das wäre natürlich nicht schlimm, irgendeinen Versicherungstarif müssen sie ja eh nehmen. Es hätte nur ein „Gschmäckle“.

Quo vadis Garantie?

Warum nicht einfach nachhause, wie wir schon bei Monty Python gelernt haben?!

Römer geht nachhause

Altersvorsorge ist immer noch Geldanlage und wenn es eine gute Geldanlage ist, braucht sie keine Garantien. Philip Wenzel hat aber Recht, wenn er darauf hinweist, dass die Aussage des Rechners des DIA es zu pauschal und einfach macht. Das birgt für den Versorger die Gefahr, einer schlechten Geldanlage sein Vertrauen zu schenken. Wer schon einen schwarzen Gürtel in Geldanlage hat, fängt mit Garantien also ohnehin nichts an. Und wer das noch nicht hat, kann sich durch den Rechner, das Versicherungsjournal oder finanzdiskurs gern verleiten lassen, einen Moment über Geldanlage nachzudenken.

Schließlich hat ein kluger Mann gesagt:

geld nachdenken

 

 

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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